Bandscheiben bedingte Rückenschmerzen (Bandscheibenvorfall, Nucleus pulposus prolaps, Diskusprolaps, Protrusio; Hexenschuss, Ischiasschmerzen)
Definition - Bandscheibenleiden
Das Bandscheibenleiden (andere Bezeichnung: Nucleus pulposus prolaps, Diskusprolaps, Protrusio) spielt in der Krankheitsstatistik eine große Rolle. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Die Erkrankung betrifft überwiegend das mittlere Lebensalter. 2/3 der Patienten befinden sich zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Bezüglich der Lokalisation überwiegt die Lendenwirbelsäule (lumbal) mit 2/3 der Vorfälle. Im Bereich der Halswirbelsäule (zervikal) findet sich 1/3 der Vorfälle. In der Brustwirbelsäule (thorakal) sind sie sehr selten. Der Mediziner unterscheidet zwischen Protrusion (Bandscheibenvorwölbung = Vorstufe des Bandscheibenvorfalles; Abb. [4]) und Prolaps (Bandscheibenvorfall; Abb. [5]).
Beschwerden:
Ein Bandscheibenleiden muss nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen, dennoch gehört der akut auftretende, stechende Schmerz zum klassischen Erscheinungsbild. Die Schmerzen entstehen sowohl bei plötzlichen Bewegungen, beim Heben schwerer Lasten als auch ohne jegliche körperliche Beanspruchung. Sie können weniger stark sein, rasch abklingen oder als "zerreißende" Schmerzattacken empfunden werden, die einseitig oder beidseits in die Beine, sogar bis über die Knieregion hinaus, ausstrahlen. Treten im Rahmen eines Bandscheibenvorfalles Beschwerden / Symptome auf, so sind sie vor allem auf die Verlagerung des Gallertkernes zurückzuführen, der auf einzelne Nervenwurzeln, auf Nervenfaserbündel (im Bereich der Lendenwirbelsäule) und / oder das Rückenmark drückt.
Häufige Beschwerden
- Häufig Rückenschmerzen (Lumbago - Hexenschuß)
- Segmentale Schmerzen in den Beinen („Ischias“) oder Armen
- Beschwerden bei Druck gegen eine Nervenwurzel (Lumboischialgie):
Drückt die Bandscheibe auf Nervenwurzeln (Lumboischialgie) kommt es stets zu intensiven Schmerzen, die je nach Lokalisation in die Arme oder Beine hinein ausstrahlen können. Mit diesen starken Schmerzen können auch Gefühlsstörungen auftreten (Kribbelgefühl, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl). Bei sehr ausgeprägtem Druck auf die Nervenwurzeln können auch Beschwerden wie Verminderung der Muskelkraft oder sogar Lähmungen einzelner Muskelbereiche auftreten.
- Beschwerden bei Druck gegen das Rückenmark:
Bei Beeinträchtigung des Rückenmarks (siehe auch Wirbelkanalstenose) kann es ebenfalls je nach Ort des Geschehens zu Schmerzen, die in die Arme oder Beine ausstrahlen, kommen. Ebenfalls können dabei zusätzliche Gefühlsstörungen (Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl) und zunehmende Bein- und Armmuskelschwäche (je nach Höhe des Problems) entstehen. Lähmungen im Genital- und/oder Analbereich verbunden mit Blasen- bzw. Darmschwäche sind zwar selten, diese Beschwerden sind aber ein Notfall und müssen dringendst in einem Spital behandelt werden (meist operativ). Nur dadurch können bleibende Schäden vermieden werden!
- Beschwerden bei Druck gegen Nervenbündel der Lendenwirbelsäule:
Beschwerden wie im obigen Punkt beschrieben. Hinzu können Gefühlsstörungen rund um den After, Genital- und Oberschenkelbereich auftreten, sowie Lähmungserscheinungen in den Bereichen. Auch hier kann es zu einen totalen Kontrollverlust über Blasen- und Darmfunktion kommen und auch hierbei handelt es sich um einen Notfall, der dringendst in einem Spital behandelt werden muss (meist operativ). Nur dadurch können bleibende Schäden vermieden werden!
Untersuchung, Diagnostik und Therapie
Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung sind von großer Wichtigkeit. In vielen Fällen kann der Arzt dabei feststellen, ob und in welcher Höhe ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie kann die Diagnose erleichtern. Zudem werden damit andere mögliche Krankheiten - zum Beispiel ein Tumor - ausgeschlossen. Welche Untersuchung in Frage kommt, beurteilt der Arzt von Fall zu Fall.
Therapie
- Die Behandlung beginnt in der Regel mit einer konservativen Therapie. Zur Schmerzlinderung werden Schmerzmittel und Präparate zur Muskelentspannung verabreicht. Sie dienen auch dazu, den Schmerzkreislauf, der durch reaktive Muskelverspannungen entstehen kann, zu unterbrechen. Ergänzend werden physiotherapeutische Maßnahmen angewandt, die vorwiegend auf eine Kräftigung der Rückenmuskulatur abzielen.
- Sollten die konservtiven Maßnahmen nach längerer Anwendung nicht den entsprechenden Erfolg bringen, insbesondere aber bei akuten (medianen) Massenvorfällen (= Massenprolapse) meist im Bereich der Lendenwirbelsäule, die unter anderem Lähmungszeichen bewirken, wird zur Operation geraten.
Alle Rückenschmerzen - medHELP GUIDE´s
WIRBELSÄULEN- und RÜCKEN-ERKRANKUNGEN
Wichtiger Hinweis:
Die angebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung
und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.
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