Reizdarmsyndrom - Kolon irritabile, RDS
STW: Reizdarmsyndrom, Zusatz-STW: Verdauungssystem_198
Die Beschreibung der Erkrankung wurde auf Richtigkeit geprüft und korrigiert von:
Dr. Tobias Bammer, Arzt für TCM und Allgemeinmedizin, 1030 Wien, Österreich; 2006
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Definition:Beim Kolon irritabile, auch als Reizdarm-Syndrom bezeichnet, handelt es sich um eine häufige, funktionelle Darmstörung ohne fassbare organische Ursache. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Typisch sind unregelmäßig auftretende Bauchschmerzen wechselnder Stärke und Lokalisation. Die Schmerzen treten typischerweise nicht nachts auf, sondern eher morgens beim Aufstehen. Stuhlgang bringt meist Erleichterung. Hinzu treten Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. Schleimbeimengungen im Stuhl sind möglich, aber eher selten. Die Beschwerden nehmen oft über Jahre hin zu. Wichtig zu erwähnen ist die Tatsache, daß nach heutigem Stand der medizinischen Wissenschaft das RDS eine Ausschlußdiagnose darstellt, daß also vor Stellung der Diagnose „Colon Irritabile“ v.a. Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Geschwulste im Dickdarm, Laktose- u. Fruktose-Intoleranz, Sprue, und die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen werden sollten.
Ursachen:Die Ursachen für ein Reizdarmsyndrom sind noch nicht exakt bekannt. Eine erhöhte Empfindlichkeit des Darms auf an sich physiologische mechanische Reize ist nachgewiesen, psychische Faktoren sowie eine Störung der so genannten Hirn-Darm-Achse werden angenommen.
Als mögliche Ursachen gelten:
- Gesteigerte Sensibilität des Darms durch eine Überreaktion der Zellen (Rezeptoren) in der Darmwand. Diese reagieren überschießend z.B. auf Druck durch Darmgase oder Stuhl (nachgewiesen).
- Störung der Muskeltätigkeit (Peristaltik) des Magen-Darm-Rohres, wodurch die Geschwindigkeit des Nahrungsmitteltransports verändert wird.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
- Vorangegangene Schleimhautentzündung des Dickdarms. Vor allem nach infektiösen Magen-Darm-Entzündungen (Gastroenteritis) kommt es häufig zu unterschiedlich lange andauernden Episoden eines Reizdarmsyndroms.
- Psychische Faktoren: Zum Beispiel sind Menschen, die zu Angststörungen und Depressionen neigen, eher anfällig für ein Reizdarmsyndrom und umgekehrt. Dies könnte auf ein Ungleichgewicht identer Neurotransmitter im Gehirn und Magen-Darm-Trakt (sog. „Bauchhirn“, übrigens Sitz der Intuition, wenn man etwas „aus dem Bauch heraus“ entscheidet) zurückzuführen sein.
Symptome - Beschwerden:
- Die Symptome sind von Patient zu Patient verschieden. Die Reizdarmpatienten klagen über Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Blähungen oder Völlegefühl, saures Aufstoßen.
- Die Symptome eines Reizdarmsyndroms schwanken stark in ihrer Intensität und sind sehr unspezifisch. Sie treten besonders häufig in Belastungssituationen auf.
- Gleichzeitig bestehen meistens nervöse Allgemeinstörungen wie Reizbarkeit, Missempfindlichkeit und Schlafstörungen.
- Die Anzeichen des Reizdarms sind oft von emotionalen und situativen Einflüssen abhängig.
- Die abgesetzten Stühle zeigen keine krankhaften Veränderungen wie Blut oder Eiter, weiters sind keine eindeutigen Erreger in der Stuhlkultur nachweisbar.
- Bei der mehr durch schmerzlose Durchfälle geprägten Form kommt es morgens nach dem Aufstehen oder nach dem Frühstück zu drei bis vier ungeformten bis wässrigen Stühlen mit starken Schleimbeimengungen. Der Durchfall lässt im Verlaufe des Tages nach und tritt so gut wie nie nachts auf.
- Häufig ist der Leib während der Schmerzphase stark gebläht.
Häufige Begleitbeschwerden:Krankheitszeichen in völlig anderen Körperregionen werden häufig zusammen mit den Reizdarmsymptomen beobachtet:
- Gynäkologisch bedingte Unterleibsschmerzen
- Migräne
- Depressive Verstimmungen
- Erschöpfungszustände
- Kreislaufstörungen
- Reizblase
- Neurosen (z.B. Kontrollzwang)
- Herzrasen
- Schmerzen im After beziehungsweise Enddarm
- Muskelverhärtung
Wichtiger Hinweis:
Die angebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung
und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.
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